Parallelen zwischen Profisport und Business / Das IMMOSEEKER-Interview mit Nevin Galmarini

12 spannende Fragen an Nevin Galmarini, unser Snowboard-Olympiasieger von 2018
Nevin Galmarini
  1. Wie hat dich deine Karriere im Profisport geprägt, und welche Eigenschaften aus dem Sportalltag nutzt du heute in deinem beruflichen Umfeld?
    Ich habe bis vor zwei Jahren, also bis 36 Jahre, ein Leben geführt, wo ich quasi jedes Wochenende bei einem Wettkampf einen „Tag der Entscheidung“ hatte. Entweder war das Resultat gut oder halt nicht, so einfach war das. Und aus jedem Wettkampf habe ich versucht, positive und negative Aspekte zu analysieren und daraus Learnings für die nächsten Trainings umzusetzen. Dabei habe ich als Inspiration immer grosse Ziele im Kopf gehabt und sehr hart gearbeitet. Diese Denkweise habe ich in den vielen Jahren Profisport verinnerlicht und ist nun ein Teil meines Charakters. Dieses Denken, diese ständige Suche nach der Optimierung und die Selbstverständlichkeit, dass man (als Person, als Team oder als ganzes Unternehmen) der Beste sein möchte, bringe ich in mein neues berufliches Umfeld.

  2. Was war die grösste Herausforderung, der du dich in deiner Karriere stellen musstest, und wie hast du sie überwunden?
    Meine simple Maxime lautete: Wenn ich mehr trainiere als die anderen, dann werde ich irgendwann besser sein als sie. Daran glaube ich viel mehr als an Talent oder Glück, welche aus meiner Sicht langfristig nur eine Nebenrolle spielen. Irgendwann zahlt sich harte, ehrliche Arbeit immer aus, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Nach meiner Rückenoperation im Jahr 2019 konnte ich jedoch nicht mehr das gleiche grosse Trainingsvolumen absolvieren, was ich zunächst fast nicht akzeptieren konnte. Plötzlich musste ich meine Intensität dosieren, vorsichtige Trainingspläne erstellen und mich extrem in Geduld üben. Das war eine schwierige Phase, aus welcher ich sehr viel über mich gelernt habe.

  3. Wie definierst du Erfolg – im Sport und im Business? Gibt es Gemeinsamkeiten?
    Ja sicher gibt es Gemeinsamkeiten. Schlussendlich ist es ja sehr subjektiv, was sich als Erfolg anfühlt bzw. was nicht. Im Sport darf man auf eine Siegertreppe steigen und bekommt einen Bändel um den Hals mit einem glänzenden Klotz, währenddem ein paar im TV zuschauen. Das alles, weil ich schneller als andere im Zickzack einen Hügel heruntergefahren bin. So gesehen ist Erfolg im Business teilweise wertvoller. Man macht einen Kunden glücklich, stiftet Mehrwert für die Gesellschaft, etc. Man darf nicht vergessen, diese Erfolge im Business auch zu feiern und zu zelebrieren

  4. Welche Parallelen siehst du zwischen der Arbeit in einem erfolgreichen Team im Sport und der Zusammenarbeit in einem Business-Team?
    In meinem Sport ist es so, dass alle, welche die Selektionskriterien erfüllen, im Nationalteam sind. Ich kann nicht auswählen, ob mir der andere persönlich passt oder nicht. Man ist ein Haufen zusammengewürfelter Alphatiere und erlebt sich gegenseitig sehr sehr intim bei den grössten Niederlagen und Siegen. Unser Headcoach hat uns immer sehr viele Freiheiten gelassen, solange folgende Voraussetzungen erfüllt sind: Die Freiheit endet da, wo ein anderer beeinträchtigt wird. Und wir sind da, um die besten zu sein. Ich finde es wichtig, dass man auch in einem Business-Team klar definiert, was die Ziele und welche Werte die Basis sind. So hat es Platz für eine breite Diversität in den Ideen, Herangehensweisen, etc., aber alle ziehen dennoch am gleichen Strang.

  5. ⁠⁠Wie wichtig ist mentale Stärke im Profisport und wie kann diese Fähigkeit im beruflichen Alltag helfen?
    Die Athletik, die Technik, das entwickelte Material, das Umfeld und viele andere Faktoren sind am Wettkampftag nicht plötzlich weg. Diese Dinge hat man sich über Jahre aufgebaut und sind am Tag X abrufbar. Was einem am Tag jedoch den grössten Stich durch die Rechnung machen kann, ist der Kopf. Ich habe an der Arbeit an meiner mentalen Stärke Freude gehabt und bin überzeugt, dass dies gerade bei meinen grössten Erfolgen absolut entscheidend war. Es war jeweils ein tolles Gefühl, wenn ich mir selbst und meinen Fähigkeiten zu 100% vertrauen konnte und auch bei Niederlagen nicht immer alles komplett über den Haufen werfen musste. Gerade dieser Aspekt hilft mir persönlich im beruflichen Alltag, aber z.B. auch im privaten Umfeld mit Familie, etc., wo es ja auch nicht immer nur einen Erfolg nach dem anderen gibt.

  6. ⁠⁠Was können Unternehmen von der Vorbereitung eines Profisportlers lernen, um ihre Mitarbeiter auf Höchstleistungen vorzubereiten?
    Mein Motto ist: Separation by preparation! Ich verlasse mich nicht auf Talent oder sonst etwas, sondern glaube ganz fest daran, dass ich besser sein werde als meine Konkurrenten, wenn ich mehr trainiere. Ich habe also keinen Trick oder keine Abkürzung zum Erfolg im Ärmel, sondern nur die Gewissheit, dass sich ehrliche Arbeit auszahlen wird.

  7. ⁠⁠Disziplin und Durchhaltevermögen sind im Sport unerlässlich. Wie überträgt man diese Fähigkeiten auf den Berufsalltag?
    Auch ich hatte nicht immer den gleichen Biss, um die ganz harten Trainings durchzustehen. Grundsätzlich hatte ich aber das Privileg, meine Leidenschaft als Beruf auszuüben. Und diese intrinsische Motivation war der Motor für alle Anstrengungen. Auch im Beruf kann man sich so organisieren, dass man eine persönliche Erfüllung erfährt. Oder eine Führungskraft sollte das Team, wenn möglich, so strukturieren, dass die Tasks stärkenorientiert vergeben werden.

  8. ⁠⁠Welche Lektionen aus deiner Zeit im Profisport kannst du Unternehmern oder Mitarbeitern mitgeben, um Herausforderungen besser zu meistern?
    Wenn man sich in verschiedenen Bereichen verbessern möchte, also zum Beispiel im technischen, physischen, mentalen Bereich, aber auch bei der Materialentwicklung oder in der Ernährung, dann ist man auf Expertise von Aussen angewiesen. Als ersten Schritt musste ich jedoch zulassen, neues Wissen von Aussen überhaupt zu akzeptieren. Ich denke, dass es wichtig ist, offen und neugierig zu sein. Das hilft, dass man unterschiedliche Lösungsansätze entwickeln kann und breit abgestützt ist.

  9. Gab es eine Situation, in der du im Sport etwas gelernt hast, das dir später im Business-Kontext geholfen hat?
    Da gibt es viele Dinge. Zum Beispiel die Feedback-Kultur. Im Sport habe ich z.B. einen Mentaltrainer bezahlt, damit er mir „fadegrad“ ehrliches Feedback gibt. Im Berufsumfeld ist man sich das nicht so gewohnt, bzw. man gibt das Feedback gar nicht auf direktem Weg. Ich habe z.B. gemerkt, dass ich angespannte Situationen schnell lösen konnte, weil ich um direktes Feedback gebeten hatte und damit gut umgehen konnte.

  10. Was motiviert dich heute, nachdem du deine sportlichen Ziele erreicht hast, und wie überträgst du diese Motivation auf neue Projekte oder Ziele im Business?
    Es war zu Beginn nicht ganz einfach herauszufinden, welche Ziele ich mir in meiner zweiten Karriere setzen möchte, da ich zuerst herausfinden musste, was es denn alles da draussen in der „normalen“ Arbeitswelt gibt. Nachdem ich aber mittlerweile meinen Platz mehr oder weniger gefunden habe, merke ich, dass ich automatisch wieder anfange, mir Ziele zu setzen. Das ist wohl einfach antrainiert. Ich bin da ziemlich einfach gestrickt. Wenn es irgendwo eine reizvolle Herausforderung gibt, dann triggert mich das und ich renne los.

  11. Wie hat dich der Moment des Olympiasiegs verändert, sowohl als Sportler als auch persönlich, und welche Lehren hast du daraus für dein weiteres Leben gezogen?
    Das ist wirklich schwierig zu sagen, denn ich glaube zwar, dass ich immer noch der gleiche bin, aber weiss irgendwie auch, dass es wohl nicht so ist. Der Olympiasieg hat mir extrem viele Türen geöffnet und ich habe Dinge erleben und lernen dürfen, welche ich nie vergessen werde. Das prägt wahrscheinlich schon. Meine besten Freunde sind aber immer noch die gleichen, wie vor den Erfolgen und diese sind mir sehr wichtig.

  12. Welche Strategien oder Routinen haben dich speziell auf den Sieg bei den Olympischen Spielen vorbereitet, und wie könnten diese auf berufliche Ziele übertragen werden?
    Ich habe schon sehr früh in meinem Team kommuniziert, dass mein Ziel der Sieg an den Olympischen Spielen ist. So war für das ganze Team klar, wie wir uns vorbereiten. Also das heisst, dass wir alles bis zum grossen Final durchplanen. Wir hatten keine Angst davor, über grosse Dinge zu sprechen. Es war unsere Inspiration, um Tag für Tag unser Bestes zu geben. Ich denke, dass es auch im Beruf hilft, wenn man eine gemeinsame Vision und ein gemeinsames Verständnis von Erfolg hat. So ziehen alle am gleichen Strang und es macht Spass, wenn man spürt, dass man dem Ziel immer näher kommt.

Alle Angaben sind ohne Gewähr. Es wurde sorgfältig recherchiert, dennoch übernehmen wir keine Haftung über die Richtigkeit der gemachten Angaben.

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